Der Tag, der alles veränderte

Von Stefani

Guten Morgen – es ist 5 Uhr 45! Bitte aufstehen.

Mit diesem Satz begann über ein halbes Jahr lang täglich ein neuer Tag. Heute frage ich mich oft, wie es soweit kommen konnte. Wie konnte es passieren, dass ich im Gefängnis gelandet bin?

Sicher habe ich gewusst, dass ich den Unterhalt zahlen muss und wenn ich es nicht mache eine Straftat begehe und dafür geht es nun einmal ins Gefängnis. Vor allem da ich ja dafür eine Bewährungsstrafe bekommen hatte. Ich will mich nicht entschuldigen denn wo ein Wille gewesen wäre, da wäre es sicher auch irgendwie möglich gewesen, wenigstens einen Teil der Summe zu zahlen. Aber einer meiner Fehler ist unangenehme Dinge einfach zu verdrängen und den „Kopf in den Sand zu stecken“. Jedenfalls war das bisher so!

Heute ist alles ganz anders, denn am 14.April 2005 begann für mich, im Nachhinein gesehen, eine neue Zeitrechnung.

Es war nachts gegen zwei Uhr, als ich mit meinem Auto auf der A8 in Richtung Salzburg unterwegs war. An der Raststätte Irschenberg wollte ich eigentlich nur kurz anhalten und auf die Toilette gehen. Als ich die Raststätte verließ, sprachen mich zwei Männer an, die sich als Polizisten zu erkennen gaben und mir mitteilten, dass ich vorläufig festgenommen wäre. Bei einer Routinekontrolle der Nummernschilder hatten sie festgestellt, dass gegen mich ein Haftbefehl vorliegt.

Ich habe mich in all den langen Monaten immer wieder gefragt, ob ich vielleicht nie im Gefängnis gelandet wäre, wenn ich nicht ausgerechnet an diesem Tag, zu dieser Zeit, an ausgerechnet der Raststätte abgefahren wäre. Aber es ist müßig und bringt nichts, sich heute noch darüber den Kopf zu zerbrechen. Auf jeden Fall konnte ich es im ersten Moment nicht begreifen und war starr vor Schreck. Das konnte doch alles nicht stimmen. Das kann mir doch nicht passieren.

Ich war wie versteinert, weiß nur noch, dass ich in ein Auto gesetzt wurde und nach Rosenheim zur Autobahnpolizei gefahren wurde. Erst dort auf dem Revier realisierte ich, was mit mir geschah. Die Polizisten waren sehr nett und gaben sich Mühe herauszufinden, was denn eigentlich gegen mich vorlag. Ein Bewährungswiderruf, weil ich mich einer Strafvollstreckung durch Flucht entzogen hätte.

Ich – auf der Flucht?

Irgendwie fand ich das schon merkwürdig denn wie kann ich auf der Flucht sein wenn ich doch einen festen Wohnsitz habe? Wenn es ein Problem gegeben hätte, dann hätte man mich doch zu Hause aufsuchen können. Das alles ging mir in dem Moment durch den Kopf. Der Beamte war sehr freundlich zu mir, konnte mir die Gründe, warum das nicht geschehen war auch nicht erklären und gab mir den guten Rat, mir einen Anwalt zu nehmen.

Nachdem ich dann von einer weiblichen Polizistin durchsucht worden war und meine persönlichen Sachen in Augenschein genommen waren, kam ich erst einmal in einen „Käfig“. Drei Seiten Gitterstäbe und darin eine Holzbank. Nun hieß es warten, bis die Formalitäten erledigt waren und ich in die nächstgelegene Justizvollzugsanstalt gebracht werden könnte. Wenigsten durfte ich per SMS meine Freunde und meinen Lebensgefährten informieren, was geschehen ist. Mein Auto stand ja auch noch auf dem Rastplatz und musste abgeholt werden. Ich fügte mich also erst einmal in mein Schicksal und lebte in der Hoffnung, dass alles gut werden würde, wenn ich mit meinem Anwalt gesprochen hätte.

Gegen vier Uhr ging es dann weiter. Mit dem Auto nach München in die dortige Frauenabteilung der JVA.

Stefani berichtet in mehreren Teilen über ihre Erfahrungen mit dem Strafvollzug. Ich danke ihr für die Erlaubnis, die Texte auch im knastblog veröffentlichen zu dürfen.

10.11.2005 18:35 | Menschliches,Vollzug | Comments (0)

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