Vom Nutzen der Kapelle – ein Besuch der Ulmer Höh’
Von Eibo Richter
Im Rahmen meiner Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten habe ich mit meiner Berufsschulklasse und dem Klassenleiter einen Ausflug zur “Ulmer Höhe” gemacht (gemeint ist die Justizvollzugsanstalt Düsseldorf, Umenstraße). Dort wurden wir – nach einer recht langwierigen Leibesvisitation in zwei Gruppen aufgeteilt und mit jeweils einem Begleiter durch das Gefängnis geführt.
Meine Gruppe hatte einen echten Schließer als Führer, die andere den Anstaltspastor. Abgesehen von der grundsätzlich beklemmenden Atmosphäre, die noch dadurch verstärkt wurde, dass uns der Schließer in eine zwei-Bett-Zelle einschloss.
Als er von außen mal kräftig an die Tür klopfte, bekamen wir allesamt den Eindruck, dass schon allein ein solcher Besuch
- vielleicht im Rahmen des allgemeinen Lehrplans der 10. Klasse – abschreckend genug sein könnte.
Da zwei meiner Mitschülerinnen und ich uns auf die Zwangsvollstreckung spezialisieren wollen, fragte ich, wie oft es denn vorkäme, dass ein Schuldner durch Haft die eidesstattliche Versicherung “abgepresst” würde. “Das kommt hier so gut wie nie vor. Das letzte mal war vielleicht vor einem oder zwei Jahren”, war die Antwort.
Eine weitere Frage war, warum denn die Schießscharten in den Wachtürmen in den zahlreichen Ecken der Anstaltsmauer a) vorhanden und b) zwei nach innen, aber vier nach außen gerichtet seien. Diese Türme seien erst in der Zeit der RAF-Aktionen erweitert worden und wären ja nicht nur zum Schutz der Bevölkerung vor den Insassen, sondern vornehmlich zum Schutz der Gefangenen und Wärter vor äußeren Angriffen. Auf die Frage der Bewaffnung der Beamten in den Türmen erhielten wir die indifferenten Antworten: Heckler & Koch sowie Walther.
Interessant fanden wir besonders den “normalen” Trakt des Knastes, in welchem ein Gefangener sich beinahe frei auf allen Ebenen und Einzeltrakten bewegen kann. Hier kam die Frage an unseren Führer auf, ob denn hierdurch nicht erst Übergriffe von Strafgefangenen auf andere “niederen Standes” (Kinderschänder etc.) möglich sei.
Der Schließer leugnete, dass es ein “Ständesystem” gäbe, dass aber “interne Zuchtmaßnahmen” der Häftlinge üblich, manchmal auch gar nicht zu verhindern wären. Eine Mitschülerin erwähnte, dass ihr Ausbilder einmal die Erfahrung gemacht hätte, dass Schließer einigen Insassen mitteilten, dass ein Kindermörder in eine gewisse Zelle verlegt würde. Entsprechende Aktionen haben da nicht lange auf sich warten lassen. Hierauf erwiderte unser Führer nichts.
Gegen Ende der Führung kam noch die Frage auf, ob denn in einem Knast so viel mit Drogen gehandelt würde, wie immer im Fernsehen zu sehen ist. Es sei schwierig, Drogen aus einem Gefängnis herauszuhalten. Es würde ja immer ein Weg ausgetüftelt, Drogen in eine Anstalt zu bekommen. Beispielsweise würden die Häftlinge hauptsächlich wegen Geschäften zum Gottesdienst gehen und nicht wegen einer Predigt von der Kanzel.
Nach einer weiteren Durchsuchung sowie Rückgabe einbehaltener Handys, Ausweisen etc. durften wir dann die Anstalt wieder verlassen.
Dieser Besuch wird noch lange nachwirken.

Wenn man den Knast dann wieder verlassen kann, ist es ja nicht so schlimm…
Wenn alle Kontrollen so strikt durchgeführt würden wie bei euch, dürfte es wohl weniger unerlaubte Dinge im Knast geben. Ich denke, daß sich auch der “Alltagstrott” beim Personal einschleicht und sooo genau nicht kontrolliert wird ?
Außerdem hört man immer wieder von Personalmangel im Knast ?
Gucky | 21. 5. 2006 19:55
Selbstverständlich kommt es immer wieder vor das Schließer mit Insassen gemeinsamme Sache machen !!
Könnt ihr in meinem letzten Diary Of A Thug nachlesen falls ihr es nicht glauben wollt !
Auf http://www.diary-of-a-thug.de findet ihr noch eine Menge mehr Real-Life-Storys !
$ick !!
$ick | 25. 5. 2006 18:07
Bin beim rumsurfen auf den Artikel heir gestossen.. sehr interessant! Weiter so
Gebäudereinigung Hamburg | 21. 4. 2010 13:32