Mobilfunkblocker in der JVA Offenburg

Die neue Justizvollzugsanstalt Offenburg ist bundesweit das erste Gefängnis, auf dessen Gelände der Mobilfunkverkehr durch den Einsatz von Störsendern unterdrückt wird. Die Bundesnetzagentur hat grünes Licht für eine mehrwöchige Testphase der technischen Blockade gegeben.

„In der JVA Offenburg herrscht ab sofort Funkstille, was die unerlaubte Nutzung von Handys anbelangt. Mit dem Einsatz der Handyblocker sorgen wir dafür, dass Mobiltelefone im Vollzug schlagartig nutzlos sind. Verbotene Absprachen unter Gefangenen, über Handys organisierte illegale Geschäfte oder Fluchtvorbereitungen sind damit in Offenburg kein Thema mehr“, teilte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) in Stuttgart mit.

Seit der Föderalismusreform können die Länder in eigener Zuständigkeit die Installation von Störsendern im Justizvollzug auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Die Ausweitung der Technik auf andere Anstalten sei langfristig überlegenswert, aber auch eine Frage des Geldes, erklärte der Minister. Für die Installation und Inbetriebnahme der Anlage in Offenburg seien Kosten von rund 1 Mio. Euro entstanden.

Mobiltelefone sind in Vollzugsanstalten – übrigens nicht nur für Gefangene – verboten. Immer wieder ist es Häftlingen aber gelungen, Handys auf oft abenteuerlichen Wegen an den Kontrollen vorbei in die Anstalten zu schmuggeln. Im laufenden Jahr wurden in den Anstalten des Landes bereits 183 Geräte sichergestellt, 2008 wurden 219 Geräte gefunden, 2007 waren es 153 und 2006 171.

Bei den Gefangenen sind die immer billiger und kleiner werdenden Handys heiß begehrt, um per SMS oder per Anruf kriminelle Geschäfte aus der Zelle zu führen oder ihre Flucht zu organisieren. So wurden zum Beispiel Helfer außerhalb der Gefängnismauern angewiesen, wo und wann sie Geld oder Drogen über die Anstaltsmauer werfen können. Auch wegen der Gefahr von Verdunklungshandlungen müssen unüberwachte Telefonate von Untersuchungsgefangenen wirksam unterbunden werden.

Die Unterbindung des Mobilfunkverkehrs bleibt ausschließlich auf das Gefängnisgelände beschränkt. „Die Störsender in der neuen JVA Offenburg funktionieren wie erwartet tadellos und punktgenau“, betonte der Minister. Die moderne Technik ermögliche eine metergenaue Empfangsstörung auf dem Anstaltsgelände. Eine dauerhafte Frequenzstörung erfolge dabei nicht. Erst wenn Mobilfunksignale festgestellt würden, aktiviere sich der Blocker. Das geschehe dann allerdings in Computergeschwindigkeit, also schneller, als ein Mensch reagieren könne.

Um den Mobilfunkverkehr zuverlässig aus den Vollzugsanstalten zu verbannen, sind die Störsender am effektivsten. Bloße Handysuchgeräte schlagen nur dann an, wenn gerade in Echtzeit telefoniert wird. Der Versand einer SMS wird von einem Handysuchgerät nicht ohne weiteres erfasst. Auch verstärkte Kontrollen sind aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keine echte Alternative zu den Störsendern. Das Vollzugspersonal darf Besucher nicht beliebig durchsuchen. Anwälte unterfallen überhaupt keiner Kontrolle.

27.08.2009 14:43 | Diverses | Comments (5)

5 Comments

  1. interessant. Die Handystörsender können ein Handy schnell genug erkennen, um sich vor dem Versand einer SMS einzuschalten, Handysuchgeräte aber nicht…

    j | 18. 2. 2010 04:47

  2. Du wirst die SMS ja nicht gerade in dem Moment schreiben und abschicken, in der deine Zelle nach Handys durchsucht wird.

    Die Störsender können aber in genau dem Moment, wo du eine SMS schickst, dieses Signal erkennen und stören.

    Die Geräte senden anscheinend nur dann ein entsprechendes Signal wenn die SMS rausgeht. Warum per Triangulierung mittels Telefonmast dabei nicht prinzipiell das Vorhandensein eines eingeschalteten Handys erkannt werden kann, ist mir ein Rätsel.

    Sebastian | 4. 6. 2010 16:08

  3. Es müssen ja nicht immer kriminelle Machenschaffen hinter der Nutzung von Handys stecken… meine Güte.

    Es gibt mit Sicherheit solche und solche, doch alle über einen Kamm zu scheren ist nicht der beste Weg! Wenn ich an die überteuerte Telio Anlage und deren Fehler denke…da hätten se genug zu tun.

    Nicht nur das diese Ansage Zeit kostet, nein da hört man so ganz neben her die Gespräche anderer mit.

    Kitty | 28. 6. 2010 19:45

  4. Also das mit den Störsendern in der JVA Offenburg ist ein Witz schlechthin. Ein Bekannter von mir sitzt dort ein. Er kann trotz der Störsender dort immer telefonieren mit einfachsten Mitteln. Hier die Erklärung und wie es geht: http://www.handyblocker.org/security-VIP/jva-haftraumstoersender.htm

    Thomas | 26. 2. 2011 17:16

  5. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist der folgende Link bei Heise: http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Stoersender-sind-leicht-manipulierbar/forum-171905/msg-19901807/read/

    Offenbar mal wieder Millionen in den Sand gesetzt. Vanman

    Vanman | 2. 3. 2011 11:13

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