Jamaika: Fünf Mädchen verbrennen im Knast

Beim Brand in einem Jugendgefängnis auf Jamaika sind fünf Mädchen ums Leben gekommen. Der Brand soll entstanden sein, als die Gefängnisinsassen sich eine Fehde lieferten. Die Leichen der drei 17- und zwei 15-jährigen Mädchen seien erst nach den Löscharbeiten entdeckt worden.

Bericht auf Spiegel online.

24.05.2009 11:22 | Jugendliche,U-Haft | Kommentare deaktiviert für Jamaika: Fünf Mädchen verbrennen im Knast

15 Tage U-Haft

Von Matthias Lang

Dienstag, 25.03.2008 ca. 13:00: Es klingelt, ich schaue aus dem Fenster und erkenne gleich das Polizeiauto und die zwei Polizisten die vor meiner Haustüre stehen. Gleich mal ordentlich Panik geschoben und die Türe nicht aufgemacht da ich dachte die Polizisten gehen wieder weg. Falsch gedacht! Nach 5 Minuten hat es noch einmal geklingelt, diesmal hatten die beiden Beamten allerdings meinen Vermieter dabei, der Ihnen prompt die Türe aufgesperrt hat. Die Polizisten kommen rein, drücken mir als erstes ein rosafarbiges Blatt in die Hand und sagen mir, dass ein Haftbefehl gegen mich vorliegt und sie mich jetzt mitnehmen müssen.

Kaum habe ich mich angezogen werden mir auch schon Handschellen angelegt und ich werde abgeführt. Die beiden Beamten bringen mich erstmal zum Haftrichter, besser gesagt zu seiner Vertretung, da dieser im Urlaub ist und erst in einer Woche wieder kommt. Im Gericht angekommen fragt mich die Richterin zuerst nach einigen Personalien (Geburtsdatum etc.) und erklärt mir dann, dass sie den Haftbefehl nicht aufheben wird und ich auf den Richter warten muss, der ihn ausgestellt hat. Nun werde ich in die JVA Nürnberg gefahren.

Während der Autofahrt fragt mich einer von den beiden Beamten ob ich noch jemanden anrufen möchte. Ich sage ja und darf dann mit meinem Handy einen Telefonanruf während der Autofahrt machen.

In der JVA angekommen werde ich als erstes durchsucht und dann in eine Zugangszelle gesperrt. Ca. 30 Minuten später werde ich von einem Beamten in das Zugangszimmer geführt. Hier wird als erstes mein Geld, das ich dabei hatte, gezählt und sämtliche Sachen aufgeschrieben, die ich dabei hatte.

Danach sagt mir der eine Beamte, ich solle mich jetzt ausziehen und als erstes duschen, da ich erst wieder nächste Woche duschen darf. Wie befohlen ziehe ich mich aus (die mittlerweile 3 Beamten schauen zu!) und dusche mich. Kaum bin ich aus der Dusche raus, gibt mir der eine Beamte die JVA-Kleidung.

Fertig umgezogen, werde ich nun wieder in eine Wartezelle geführt und darf dort 2 Stunden warten, bis ich abgeholt werde. Der Beamte, der mich abholt, fragt mich noch ob ich Tabak von meinem Eigengeld kaufen möchte. Ich nehme 3 Packungen Tabak, 4 Packungen Papers und ein Feuerzeug. Als ich die Sachen erhalten habe, bekomme ich einen Wäschekorb mit Bettwäsche, Metalltablett (fürs Essen), Besteck und Hygieneprodukte in die Hand gedrückt. Nun werde ich zu einer sogenannten Zugangszelle geführt, wo ich 3 Tage bleiben muss, bis ich in die Jugendabteilung UHaft von der JVA komme.

In der Zugangszelle war noch ein anderer Insasse drin. Kaum komme ich rein, stelle ich mich ihm vor. Er sagt irgendwas in einer mir unbekannten Sprache. Erst nach langem hin und her weiß ich das er gar kein Deutsch spricht. Mittlerweile ist es draußen dunkel und wir beide gehen schlafen.

Am nächsten Morgen um 6:00 wird die Zellentür zum Wecken aufgesperrt und sofort wieder abgesperrt. Dannach um ca 7:00 kommt eine Durchsage, dass ich mich fertig machen soll für die ärztliche Untersuchung. Kaum habe ich mich angezogen, sperrt ein Beamter auch schon die Zellentüre auf und nimmt mich mit auf die Krankenstation.

Auf der Krankenstation herrscht reger Andrang. Die Wartezellen sind alle nahezu voll. Ich komme also in eine der Wartezellen und darf geschlagene 4 Stunden rumsitzen, bis ich endlich drankomme. Die Ärztin nimmt mir als erstes Blut ab, befragt mich, ob ich irgendwelche Krankheiten habe und lässt mich zu guter guter Lertzt in einen Becher pissen (der Arzthelfer schaut auch hierbei zu und immer genau auf meinen Schwanz). Als das dann endlich erledigt war, wurde ich wieder in die Wartezelle geführt und darf dort noch mal schätzungsweise 2 Stunden lang rumsitzen.

3 Tage später: Es ist wieder 6:00, ein Beamter kommt zum Wecken und sagt mir gleich, ich soll mich fertig machen, da ich in eine andere Abteilung verlegt werde. Um ca. 6:30 kommt der Beamte wieder und nimmt mich mit und führt mich in die Jugendabteilung der U-Haft. Dort angekommen merke ich als erstes, dass scheinbar gerade Aufschluss oder whatever sein muss. Jede Zellentüre ist offen und alle rennen auf den Gängen rum. Der Beamte führt mich zu einer Zelle, sperrt sie auf und schaut sich die Zelle an. Er gibt mir einen von ihm sogenannten „Mietvertrag“, den ich unterschreiben soll und gibt mir auch gleich den Schlüssel zur Zelle.

Als der Beamte wieder weg war, bin ich als erstes aus der Zelle raus und ne Runde durch den Gang der Jugendabteilung gelaufen. Als ich dann wieder zu meiner Zelle zurückwollte, habe ich ein Gespräch mit nem anderen Insassen angefangen und wir haben uns irgendwie gleich verstanden 😉

Es ist mittlerweile 11 Uhr. Ein Beamter brüllt durch den Gang, dass nun Einschluss ist und jeder auf seine Zelle zurückgehen soll. Die Zellentüre von mir wird abgesperrt (es gibt zwei Schlösser, eines für die Häftlinge und eines für die Beamten). Diesmal bin ich in einer Einzelzelle und siehe da, es gibt sogar einen Kabelanschluss. Nur kein Fernsehegerät. Es ist nun 12:30. Mittagessen, endlich!

Zum Essen: Das Essen im Knast war gar nicht mal so schlecht. Hat teilweise sogar geschmeckt.

Die Zellentüre wird aufgesperrt, es steht ein Beamter und zwei Köche mit einem Essenswagen vor mir. Ich reiche mein Tablett raus und bekomme was zum essen drauf und frage gleich den Beamten, ob es die Möglichkeit gibt, ein TV zu mieten. Der Beamte erzählt mir, ich müsse hierfür einen Antragsschein ausfüllen und diesen morgen früh beim Hofgang in den Briefkasten werfen.

Gesagt, getan: Ich schreibe also einen Antragszettel für einen TV und gleich noch einen Antragszettel für ein Gespräch mit einem Sozialarbeiter.

Am nächsten Morgen wurde ich wie jeden Tag geweckt, nur diesmal wurde die Zelle nach dem Wecken nicht wieder abgeschlossen. Ich ziehe mich also an, gehe aus der Zelle raus und zu dem Typen gegenüber in die Zelle. Sein Name war David – wir kommen also ins Gespräch und ich frage Ihn als erstes, warum die Zellen offen sind. Darauf erklärt er mir das die Zellen jeden Morgen zwischen 6 und 11 Uhr offen sind. Wir rauchen erstmal zusammen eine.

Er fragt mich, warum ich hier bin. Tja ich bin mit 118,398g Hasch von der Polizei gefickt worden (deswegen auch der Haftbefehl – wurde allerdings erst 2 Tage, nachdem ich gefickt wurde, ausgestellt). Als ich ihm das erzählt hatte sagt er mir, dass er wegen Brandstiftung, versuchtem Totschlag und 9 Körperverletzungen in U-Haft sitzt.

Auf einmal kommt eine Durchsage „Jugendabteilung, fertigmachen zum Hofgang“. Ich gehe also wieder in meine Zelle und ziehe mir Schuhe sowie eine Jacke an. Dann kommt ein Beamter vorbei und führt uns in den Hof. Im Hof angekommen, muss ich feststellen, dass die meisten einfach nur im Kreis laufen. In Gruppen und das die ganze Stunde lang (jeden Tag war eine Stunde Hofgang – egal wie schlecht das Wetter war).

So lief das eigentlich jeden Tag ab. Das Tagesprogramm sah immer so aus:

6:00 – Wecken
6:45 – Hofgang
11:00 – Einschluss für den Rest vom Tag
12:30 – Mittagessen
16:30 – Abendessen (es gab kein Frühstück, dafür aber am Abend zwei Scheiben Brot mehr)

Das Mittagessen bestand immer aus Salat, irgendeiner Suppe und immer einer zusätzlichen Beilage, die jeden Tag variiert hat. Zum Abendessen gab es Tee, Brot und Marmelade oder manchmal auch Wurst.

Am 8.4.2008 hatte ich dann Haftprüfung und wurde von zwei Polizisten nach Erlangen zum Richter gefahren. Ich bin an diesem Tag dann dank dem Richter gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft rausgekommen.

So, mehr gibt’s nicht zu erzählen. Allerdings möchte ich allen die diesen Text gelesen haben folgendes sagen: Es gibt viele Horrorstorys über den Knast. Keine einzige die ich gehört habe, ist wahr. Die Leute mit denen ich auf dem Gang war, waren alle recht gechillt und man konnte wirklich gut mit ihnen reden. Ich hab keinen einzigen erlebt in den zwei Wochen, der irgendwie aggressiv oder whatever war. Allerdings habe ich echt krasse Leute kennengelernt (wer hat schon mal nen richtigen Heroin-Junkie erlebt, der sich das Zeugs auch in den Hals gespritzt hat?)

Sollte jemand noch weitere Fragen haben oder sonst was, schreibt mich einfach in ICQ an (171849987) oder schreibt mir ne E-Mail: matze_lang@hotmail.com

28.04.2008 15:35 | Diverses,Jugendliche,U-Haft | Comments (26)

(Fast) live aus dem Knast

Podknast.de soll Jugendliche über Arrest und Strafvollzug aufklären. Auf der Seite finden sich schon einige Informationen zum Jugendstrafvollzug. Darunter auch Podcasts. Im Aufmacher erzählt aber nicht der Betroffene selbst. Ausgerechnet der der Leiter der Jugendarrestanstalt Düsseldorf trägt seine Geschichte vor.

Ein wenig authentischer und spannender ginge es sicher. Aber daran arbeitet die Justiz NRW bestimmt.

25.04.2008 17:14 | Jugendliche | Comments (3)

Besserer Rechtsschutz für jugendliche Gefangene

Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Änderung des Jugendgerichtsgesetzes verabschiedet. Das Gesetz verbessert die Rechtsschutzmöglichkeiten gefangener Jugendlicher. Außerdem wird das Verfahren jugendgerechter gestaltet.

„Jeder junge Strafgefangene kann nach geltendem Recht jede belastende Maßnahme der Anstaltsleitung gerichtlich überprüfen zu lassen. Der Weg zu den Gerichten darf aber nicht durch Hemmschwellen unnötig erschwert werden. Vielen jungen Strafgefangenen fehlt die Übung im Umgang mit staatlichen Institutionen und es fällt ihnen schwer, ihre Anliegen schriftlich zu formulieren. Deshalb sollen sie in Zukunft – anders als bisher – ihre Anliegen auch mündlich in der ihnen eigenen, jugendtypischen Sprache direkt vor dem Gericht vorbringen können. Das Gericht kann seinerseits im Gespräch auf den Jugendlichen einwirken und ihm sein Verhalten und die rechtlichen Konsequenzen vor Augen führen. Zuständig für solche Anträge sind künftig nicht mehr die Oberlandesgerichte, sondern die örtlich näheren Jugendkammern bei den Landgerichten am Sitz der Jugendhaftanstalt“, erläutert Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.

Der Jugendstrafvollzug ist bislang nur in seinen Grundzügen gesetzlich geregelt. Seit Inkrafttreten der Föderalismusreform (1. September 2006) sind die Bundesländer für die Gesetzgebung im Bereich des Strafvollzuges zuständig. Die Ausgestaltung des gerichtlichen Rechtsschutzes liegt allerdings weiterhin in der Kompetenz des Bundes.

Wollten sich jugendliche Gefangene gegen Maßnahmen im Strafvollzug wehren, mussten sie sich bislang schriftlich an das Oberlandesgericht wenden. Das verabschiedete Gesetz verlagert die Zuständigkeit für Anträge von Gefangenen auf gerichtliche Entscheidung auf die ortsnäheren Jugendkammern, die in der Regel durch einen Einzelrichter entscheiden werden.

Zudem erhalten die Gefangenen im Jugendstrafvollzug ein Recht auf Anhörung, über das sie belehrt werden müssen. Die Anhörung findet in der Regel in der Vollzugsanstalt selbst und nur ausnahmsweise im Gericht statt, da es den Jugendlichen in der bekannten Umgebung leichter fällt, ihr Anliegen darzustellen und sich der Richter vor Ort einen eigenen Eindruck von den Verhältnissen in der Anstalt verschaffen kann.

Zudem eröffnet das Bundesgesetz den Landesgesetzgebern die Möglichkeit, ein dem gerichtlichen Verfahren vorgeschaltetes Schlichtungsverfahren einzuführen.

Erstmals in der Geschichte des Jugendgerichtsgesetzes wird zudem das Ziel des Jugendstrafrechts ausdrücklich gesetzlich bestimmt. Danach soll seine Anwendung vor allem dazu dienen, dass sich junge Menschen, die sich wegen einer Straftat zu verantworten haben, künftig gesetzestreu verhalten und nicht erneut straffällig werden. Dabei ist der Erziehungsgedanke das Leitprinzip: An ihm sind die Rechtsfolgen und unter Beachtung des elterlichen Erziehungsrechts auch das Verfahren vorrangig auszurichten.

Das Gesetz soll zum 1.1.2008 in Kraft treten.

Die neuen Regelungen orientieren sich an den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, das in seinem Urteil vom 31. Mai 2006 eine jugendgerechtere Ausgestaltung des Rechtswegs im Jugendstrafvollzug gefordert hat.

In dieser Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht zudem festgestellt, dass der Jugendstrafvollzug einer eigenen gesetzlichen Grundlage bedarf und dafür eine Frist bis zum 31.12.2007 gesetzt. Bislang sind lediglich zwei Bundesländer (Bremen und Baden-Württemberg) diesem Auftrag nachgekommen, alle übrigen Bundesländer haben noch kein Gesetz verabschiedet

09.11.2007 15:03 | Diverses,Jugendliche | Kommentare deaktiviert für Besserer Rechtsschutz für jugendliche Gefangene

Im Koffer aus der Haft geschmuggelt?

Eine 19-Jährige steht im Verdacht, bei ihrer Entlassung aus der Jugendstrafanstalt Neustadt am Rübenberg eine Mitgefangene aus dem Gefängnis geschmuggelt zu haben. Die Frau soll sich im Koffer der 19-Jährigen versteckt haben, berichtet Spiegel online.

Bei der Entlassung sei nur aufgefallen, dass der Koffer der Frau sehr schwer war. Was er enthielt, wurde nicht kontrolliert. Nach den beiden Frauen wird gesucht.

Nachtrag: Die Kofferträgerin handelte aus Mitleid, weiß der Tagesspiegel. Nach der Flüchtigen wird noch gefahndet. Ihre Helferin muss sich demnächst wegen Gefangenenbefreiung vor Gericht verantworten.

28.10.2007 13:15 | Ausbrüche,Jugendliche | Kommentare deaktiviert für Im Koffer aus der Haft geschmuggelt?

Drogenschmuggel in den Jugendknast

Droggenschmuggel in den Jugendknast: Das Fernsehmagazin „Kontraste“ dokumentiert, wie in Berlin der Nachschub organisiert wird. Zum Video.

(Link gefunden bei RA Hoenig)

31.08.2007 20:55 | Diverses,Jugendliche | Comments (2)

Sicherungsverwahrung auch für Jugendliche

Nachträgliche Sicherungsverwahrung soll künftig auch bei nach Jugendstrafrecht Verurteilten verhängt werden können. Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines entsprechenden Gesetzes beschlossen.

„Sicherungsverwahrung ist eine der schärfsten Sanktionen, die das deutsche Strafrecht vorsieht. Sie verhindert, dass ein Straftäter in Freiheit kommt, obwohl er seine gerichtlich festgesetzte Strafe voll verbüßt hat. Vor diesem Hintergrund darf die Sicherungsverwahrung immer nur ultima ratio sein, also nur angewendet werden, wenn es kein anderes Mittel gibt, um die Allgemeinheit zu schützen. Das gilt umso mehr bei jungen Menschen, die ihre Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen und ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Delinquenz bei jugendlichen Straftätern oft nur eine Episode während ihrer Entwicklung hin zum Erwachsenen darstellt und sie später ein gänzlich straffreies Leben führen. Auch schwere Verbrechen, die die Ausnahme darstellen, werden nicht selten aus einer einmaligen Konfliktlage oder einer ganz spezifischen Situation heraus begangen.

Allerdings gibt es – wenn auch nur sehr wenige – junge Täter, die nach einer verbüßten langen Jugendstrafe wieder schwerste Delikte begehen. Mit entsprechendem Gefährdungspotential können solche Extremfälle eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Deshalb hat sich die Bundesregierung entschieden, für solche Fälle einen Regelungsvorschlag zu unterbreiten“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in Berlin.

Bislang ist Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach Jugendstrafrecht – anders als im Erwachsenenstrafrecht – nicht möglich.

Der Gesetzentwurf ändert dies. Künftig wird eine nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung – also am Ende einer verbüßten Haftstrafe – bei Verurteilungen nach Jugendstrafrecht möglich sein.

Der Regierungsentwurf sieht die Möglichkeit einer solchen gerichtlichen Anordnung vor,

– bei schwersten Verbrechen gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit oder die sexuelle Selbstbestimmung sowie in Fällen von Raub- oder Erpressungsverbrechen mit Todesfolge,

– wenn deswegen eine Jugendstrafe von mindestens sieben Jahren verhängt wurde und

– die Anlasstat mit einer schweren seelischen oder körperlichen Schädigung oder Gefährdung des Opfers verbunden war und

-das Gericht aufgrund einer Gesamtwürdigung nach Einholung von zwei Sachverständigengutachten die Gefährlichkeit des Täters mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die Zukunft annimmt

Bei jungen Menschen, die über eine kürzere Lebensgeschichte verfügen und deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist eine ausreichend sichere Gefährlichkeitsprognose nur sehr schwierig zu treffen. Das Fehlerrisiko ist bei Ihnen besonders hoch.

Deshalb beschränkt sich der Regelungsvorschlag der Bundesregierung auf die Einführung der nachträglichen Sicherungsverwahrung (anders bei Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht: dort kann im Strafurteil selbst unmittelbar die Sicherungsverwahrung angeordnet oder ein Vorbehalt aufgenommen werden, der eine Anordnung am Haftende ermöglicht). Wegen der besonderen Entwicklungssituation und der Aussichten für eine positive Einwirkung im Vollzug der Jugendstrafe soll bei jungen Menschen über die Anordnung der Sicherungsverwahrung immer erst aufgrund einer Gesamtwürdigung am Ende des Strafvollzugs entschieden werden können, auch wenn wesentliche Anzeichen für eine künftige Gefährlichkeit bereits anfänglich erkennbar waren. Zum anderen ist das erhöhte Prognoserisiko Grund dafür, die „formalen“ Anordnungsvoraussetzungen enger zu fassen als bei Erwachsenen.

In einer Pressemitteilung nennt das Justiziministerium Beispielsfälle.

18.07.2007 14:09 | Jugendliche,Vollzug | Comments (1)

Warum keine Amnestie?

Von Klaus Jünschke

Täglich kann man in den Medien eine Auswahl dessen lesen, was Jugendliche am Vortag angerichtet haben. In der Regel handelt es sich dabei um Nachrichten aus dem zuständigen Polizeipräsidium, die entweder wortwörtlich oder leicht redaktionell bearbeitet dem Publikum serviert werden. Größere Zeitungen, wie z.B. der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau leisten sich Polizeireporter, die sich mehr oder weniger offen als Sprachrohr der Polizei betätigen und das, was ihnen die täglichen Polizeinachrichten liefern, journalistisch aufmotzen. Sie prägen unser Bild von Kriminalität, sie impfen uns täglich ein, dass es sich bei der Kriminalität um eine charakteristische Eigenschaft von bestimmten sozialen (Rand-) Gruppen handelt: Kinderkriminalität, Jugendkriminalität, Ausländerkriminalität.

Die Flagschiffe des bundesdeutschen Journalismus leisten sich Gerichtsreporter. Zu den bekanntesten zählen der verstorbene Gerhard Mauz vom Spiegel und seine Nachfolgerin Gisela Friedrichsen. Die linke Zeitschrift „konkret“ machte die Gerichtsreportagen von Peggy Parnass bekannt. Während die Polizeireporter die Polizei begleiten, wie ausgewählte Kriegsberichterstatter die Armeen bei ihren Kriegszügen – „embedded“ –, bemühen sich die GerichtsreporterInnen um Distanz zum Polizei-Justiz-Apparat und analysieren Tat und Täter aus ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang. Ihre besten Texten entstanden als Gesellschaftskritik populär war.

Nach Polizei und Gericht ist die dritte Stufe im Prozess der Kriminalisierung nicht eigens durch journalistische Spezialisten vertreten. „GefängnisreporterInnen“ gibt es nicht.

Dieses strukturelle Defizit könnte mit ein Grund dafür sein, warum es keine einzige kritische Auseinandersetzung mit den Vorschlägen von Justizministerin Müller-Piepenkötter gibt.

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29.11.2006 19:09 | Jugendliche,Vollzug | Comments (4)